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    14.03.2019

    Kampf dem Borkenkäfer

    Der Buchdrucker ist eine Käferart aus der Unterfamilie der Borkenkäfer. Er ist in unseren Breiten der gefürchtetste Feind der Fichte. Er taucht nicht etwa aus dem Nichts auf, vielmehr lebt der sog. „eiserne Bestand“, eine kleine Population, ständig in unseren Wäldern. Diese verursacht kaum Schäden an der Fichte. Man könnte also von einer Art Gleichgewicht reden. Dieses Gleichgewicht ist letztes Jahr nach den Sturmschäden Burglind und dem trocken-heißen Sommer aus den Fugen geraten. Kommen Sturm und ein Dürrejahr zusammen, wie es 2018 der Fall war, ist eine Massenvermehrung des Buchdruckers unvermeidlich.

    Erfahrungsgemäß sterben bei nasskaltem Wetter und winterlichen Temperaturen viele Borkenkäfer. Dies war im Winter 2018/2019 und dem zu warmen Januar/Februar 2019 aber nicht der Fall. Untersuchungen zeigen, dass bisher rund 90% der Population überwiegend in der Baumrinde überlebten und für den erneuten Schwärmflug auf eine Außentemperatur von 16,5° warten.

    Dann beginnt erneut eine exponentiell verlaufende Massenvermehrung. So schlüpfen aus einer befallenen Fichte nach 4-6 Wochen wiederum so viele Jungkäfer, dass in der ersten Generation zwanzig neue Fichten befallen werden und in den weiteren Generationen wieder 20mal so viele Bäume. Die Zahl der Käfer ist im vorschreitenden Jahresverlauf dann so groß, dass auch gesunde Bäume zum Absterben gebracht werden. Natürliche Gegenspieler können die Entwicklung nicht mehr aufhalten.

    Wie managt man Milliarden von Käfern?

    Das größte Gefahrenpotential birgt die Populationsdynamik des Buchdruckers. Kann er die erste und vielleicht noch die zweite Generation mit geringen Brutverlusten ausbilden, ist er für den Rest des Jahres kaum zu stoppen. Aus diesem Grund muss bereits früh im Jahr ein intensives Monitoring betrieben werden um genau die Bäume zu identifizieren, in denen die Käfer und Larven auf das Ende des Winters warten. Gesucht wird nach Symptomen wie Bohrmehlauswurf oder Harzfluss an den Stämmen.

    Derzeit stehen alle Fichtenwälder mit einem Alter über 50 Jahren unter Verdacht. Das bedeutet, dass im Landkreis Waldshut, wöchentlich rund 17.000 ha Wald, Baum für Baum, auf einen Befall durch den Borkenkäfer kontrolliert werden müssen, damit dann anschließend eine schnelle Aufarbeitung erfolgen kann, um so der weiteren Ausbreitung frühzeitig und wirksam zu begegnen. Alleine für das Monitoring werden mehr als 30 Personen benötigt. Je besser das Monitoring und die Koordinierung der anschließenden Aufarbeitungskette, so wirkungsvoller können die frisch befallenen Bäume aufgearbeitet werden und umso geringer sind die Gesamtverluste.

    Schnelles und richtiges Handeln ist hier zentral. Dazu gehören eine gute Koordinierung der Holzaufarbeitung, der Holzsortierung, der Holzlagerung und des Holztransports. Sofern das befallene Käferholz nicht rechtzeitig aus dem Wald abgefahren werden kann, muss es gegebenenfalls mit Pflanzenschutzmitteln behandelt oder gehackt werden.

    Konzertierte Aktion

    Frau Elena Kummer koordiniert als Borkenkäfermanagerin den Informationsaustausch und alle notwendigen Maßnahmen, um der Massenvermehrung möglichst Einhalt zu gebieten. Entscheidend ist, dass sich alle beteiligten Akteure, auch die vielen tausend Privatwaldbesitzer gemeinsam an der rechtzeitigen Borkenkäfersuche und Bekämpfung beteiligten. Nur mit der richtigen Priorisierung und Koordinierung ist das Ziel, die Massenvermehrung einzudämmen, zu erreichen. Spezielle Risikokarten und eine Borkenkäfer App helfen den Fachleuten den Überblick zu behalten. Das Kreisforstamt informiert Privatwaldbesitzer auf der Internetseite über die Befallsschwerpunkte. „Nur mit diesem Bündel an Maßnahmen können wir dem Borkenkäfer eindämmen. Andernfalls müssen wir mit einem unkontrollierten Verlauf und hohen wirtschaftlichen Einbußen für die Walddbesitzer rechnen“, erläutert Elena Kummer die Situation.