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    13.11.2017

    Kommunale Gesundheitskonferenz befasst sich mit der ambulanten medizinischen Versorgung im Landkreis Waldshut

    Zum vierten Mal tagte am 10.11.2017 die Kommunale Gesundheitskonferenz des Landkreises Waldshut.

    Auch in diesem Jahr sind wieder zahlreiche Vertreter aus Kommunalpolitik, Gesundheitswesen und Wohlfahrtsverbänden der Einladung von Landrat Dr. Martin Kistler gefolgt und informierten sich über aktuelle Projekte im Gesundheitswesen im Landkreis. Kommunale Gesundheitskonferenzen sind in Baden-Württemberg gesetzliche Aufgaben der Landkreise. „Wir stellen uns dieser Aufgabe gerne und werden unseren Beitrag leisten, das Gesundheitswesen im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern, den Kommunen und den Akteuren im Gesundheitswesen weiter zu entwickeln“, bekräftigte Landrat Dr. Kistler in seiner Begrüßungsrede.

    Ein Themenschwerpunkt der Tagung war die Erläuterung der Ergebnisse der Projektstudie zur ambulanten medizinischen Versorgung durch Frau Dr. Heidrun Sturm von der Universität Tübingen. Diese Studie ist vor einem Jahr in Kooperation mit den Instituten für Allgemeinmedizin der Universitäten Tübingen und Schleswig-Holstein begonnen worden. Sie beinhaltete unter anderem Befragungen aller Vertragsärztinnen und Vertragsärzte im Landkreis, Befragungen von insgesamt 3000 Kreisbürgerinnen und –bürgern, eine Analyse der Strukturdaten des Landkreises, sowie die Entwicklung von zukunftsfähigen Mobilitätsmodellen.

    Die Studienergebnisse zeigen, dass die ambulante medizinische Versorgung – gerade im hausärztlichen Bereich – derzeit noch als zufriedenstellend bewertet werden kann. In fünf Jahren allerdings könnten viele Gemeinden im Landkreis Waldshut ohne Hausarzt sein, da sich die Nachwuchssuche als schwierig darstellt. Die fachärztliche Situation weist bereits heute größere Lücken auf. Die Befragung der Bürgerinnen und Bürger machte diesbezüglich deutlich, dass die durchschnittliche Wegezeit zu einer Hausarztpraxis durchschnittlich 14 Minuten beträgt, die zu einer Spezialisten-Praxis 37 Minuten. Für den Großteil der Befragten ist es – laut Frau Dr. Sturm – zudem besonders wichtig, dass die Hausarztpraxen möglichst häufig geöffnet haben und Hausbesuche anbieten. Auch telemedizinische Ansätze und der Aufbau von Mobilitätskonzepten, bei denen der Vertrauensaspekt berücksichtigt wird, sind aus Sicht der befragten Bürgerinnen und Bürger durchaus denkbar. Frau Dr. Sturm stellte auch die Vorschläge der Projektverantwortlichen zur Gestaltung der künftigen ambulanten medizinischen Versorgung in Zeiten des zunehmenden Ärztemangels dar. Hierbei sind die Ergebnisse intensiver Diskussionen mit Vertretern der Ärzteschaft und der Kommunen eingeflossen. Innovative Ansätze wie sektoren- und berufsgruppenübergreifende Kooperationen sind nach Einschätzung der Projektverantwortlichen erforderlich, um auch in Zukunft eine flächendeckende und qualitativ gute ambulante medizinische Versorgung der Bevölkerung in der Region sicherstellen zu können. Hierbei könne auch der von der Stadt Bad Säckingen vorgeschlagene und vom Kreistag gewünschte Gesundheits-Campus ein vielversprechender Ansatz sein, so die erste Einschätzung von Frau Dr. Sturm. Auch Landrat Dr. Kistler bekräftigte, dass man mit dem beschlossenen Aufbau eines sektorenübergreifenden Gesundheitscampus in gemeinsamer Trägerschaft des Landkreises, der Stadt Bad Säckingen und der Spitäler Hochrhein GmbH einen guten Weg zur zukunftsfähigen Weiterentwicklung des Gesundheitsstandorts Bad Säckingen gefunden habe. Dieses Projekt, bei dem die Verknüpfung verschiedener medizinischer Angebote angedacht sei, müsse in den nächsten Jahren realisiert werden, damit die gesamte Bevölkerung im Landkreis davon profitieren könne. Ein weiteres Thema, das in diesem Jahr von Arbeitsgruppen der Kommunalen Gesundheitskonferenz bearbeitet wurde, ist das gesunde Aufwachsen von Kindern und die angespannte Situation bei der Versorgung schwangerer Frauen durch Hebammen und Frauenärzte im Landkreis Waldshut. Eine Abhilfe des zunehmenden Fachkräftemangels im medizinischen Bereich kann aber nur gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung, den Krankenkassen sowie den Verantwortlichen in Land und Bund erreicht werden. Deshalb müssten die Landkreise zusammen mit den Gemeinden dort auch mit Nachdruck praxistaugliche und schnelle Lösungen einfordern, so Landrat Dr. Kistler. Auch der Landkreis Waldshut ist hier initiativ und plant künftig Fachkräfte aus der Region, die eine Ausbildung zur Hebamme machen, während ihrer Ausbildung finanziell unterstützen und so einen Beitrag zur Linderung des Hebammenmangels leisten.

    Ein Handlungsfeld der Gesundheitskonferenzen soll nach der Empfehlung des Landes neben der medizinischen Versorgung auch die Gesundheitsförderung und Prävention sein. Seit dem Jahr 2017 beschäftigt sich daher die Kommunale Gesundheitskonferenz im Landkreis Waldshut auch mit diesem Themenfeld in Form des Projekts „Gesunde Kommune im Landkreis Waldshut“, welches in der Gemeinde Grafenhausen als erste Kommune gestartet wurde. Herr Bürgermeister Behringer und Frau Metzler von der Geschäftsstelle Kommunale Gesundheitskonferenz stellten das Projekt und die ersten Projektschritte gemeinsam vor.

    Zum Abschluss der Konferenz wurde betont, dass zu den unverzichtbaren Akteuren im Gesundheitswesen nicht nur medizinische Fachleute und Präventionsfachkräfte, sondern auch die vielen Selbsthilfegruppen gehören. Diese stehen betroffenen Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen mit Rat, Tat und Informationen zur Seite. Im Juli dieses Jahres hat das Landratsamt Waldshut die Aufgaben der Selbsthilfekontaktstelle von der AOK Hochrhein-Bodensee übernommen, welche im Rahmen der Gesundheitskonferenz vorgestellt wurde. Informationen über die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen sowie über die Aufgaben der Geschäftsstelle der Kommunalen Gesundheitskonferenz finden Interessierte auf den Webseiten des Landratsamtes, www.landkreis-waldshut.de (Unterseite Gesundheitsamt).