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    Europa auf die spielerische Tour - Schülerinnen und Schüler von drei Gymnasien im Landkreis haben im Kreistagssaal des Landratsamtes ihre Fähigkeiten als EU-Politiker erprobt.

    Europa, das ist der Euro, schrankenloses Reisen und mehrheitlich ältere Herren, die lange in Sitzungen beraten. Damit lässt sich ungefähr das Europabild vieler Jugendlicher beschreiben. Dass Europa noch mehr ist, konnten die Schülerinnen und Schüler der Zehnten Klassen des Klettgau Gymnasiums Tiengen, des Hochrhein Gymnasium Waldshut und des Scheffel-Gymnasiums Bad Säckingen erfahren. Der Europatag der Schulen wird vom Europa Zentrum Baden Württemberg veranstaltet. Dabei ist man auf die Bereitschaft der Landkreise angewiesen, Raum und Zeit für diesen Anlass bereitzustellen. Nicht jeder Landkreis macht mit. Für Landrat Dr. Martin Kistler ist Europa ein besonderes Anliegen, weshalb er die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihren Lehrern gerne im Kreistagssaal zu einem etwas anderen Schulmorgen empfangen hat. In seiner Begrüssung betonte Kistler, dass hinter der Europäischen Union eine „großartige Idee von Freiheit und Friede steht“.

    Landrat Kistler und auch Karl Eschbach vom Kreisverband Waldshut der Europaunion versuchten, den Jugendlichen ihre Begeisterung für Europa näher zu bringen. Eschbach erinnerte die jungen Leute daran, dass Demokratie von unten nach oben funktioniere und wie wichtig, das Interesse daran sei. „Ihr dürft und sollt die Frage stellen: Warum?“ sagte Eschbach und fügte als Vertreter der älteren Generation hinzu, „aus Angst entsteht Hass. Und aus Hass entsteht Krieg“, deshalb sei es wichtig, miteinander zu sprechen und einander zu verstehen.

    Was sie an der EU ändern würden, davon hatten zumindest einige Schülerinnen und Schüler konkrete Vorstellungen. „Die Regelungen für die Abgase würde ich noch strenger machen“ sagte beispielweise die 15jährige Mira. Und Mareike, ebenfalls 15, dachte an die älteren Menschen. Sie meinte „Ich würde die Rente mit 60 einführen. Denn ich finde mit 60 hat man lange genug gearbeitet“.

    Die wichtigste Botschaft des Tages lautete: Europa ist ein Projekt, bei dem man mitarbeiten kann. Um mitzureden und mitzubestimmen, muss man allerdings zuerst einmal verstehen, wie Europa funktioniert. Und damit dies nicht so trocken vonstatten ging wie so manche EU-Verordnung klingt, spielten die Schüler „Legislativity“, ein Spiel, das die EU-Gesetzgebung zum Inhalt hat. Florian Setzen vom Europazentrum erwies sich dabei als ausgezeichneter Animator für die Jugendlichen und liess sie zuerst einmal alle 28 Mitgliedsländer aufzählen. Anhand eines Flipperautomaten erklärte er ihnen, den Unterschied zwischen EU-Richtlinie und EU-Verordnung. Eine Fragestellung, die wohl so manchen Erwachsenen zum Grübeln bringen würde. Interessant war es zu hören, wie die jungen Bürger über die EU denken. „Europa ist politisch korrekt“ sagte Joffrey, 16 und wollte das positiv verstanden wissen. Luzia, 16, befand „Europa ist Zusammenhalt“. Und die Politiker in Europa? Neben Angela Merkel, fiel vor allem der Name Jean-Claude Juncker, „weil der so oft im Fernsehen ist“, meinte Jonas, 15. Wie gut, dass mit Frankreichs Emmanuelle Macron ein jüngeres Gesicht bei den EU-Treffen dabei ist. „Ich mag den, denn er hat neue Ziele“ sagte Sophie, 16. Im zweiten Programmteil musste ein drohender Bürgerkrieg in einem Staat abgewendet werden. Hier waren Verhandlungsgeschick und Problemlösung gefragt. Gut möglich, dass die Jugendlichen das nächste Mal, wenn die EU-Herren und Damen wieder müde vor eine Fernsehkamera treten, an ihre Spiel-Erfahrung denken und besser verstehen, wie anstrengend Demokratie sein kann, aber wie viel Kreativität sie auch braucht.