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    20. März – 3. Juli 2016: Tosende Stille, Robert Schneiders Verdun-Zyklus

    Vergangenheit ist vor unserem schier unbegrenzten Selbstbewusstsein nicht sicher und wird nur allzu oft von klischeeartigen Begriffl ichkeiten in Beschlag genommen. So wird Geschichte „aufgearbeitet" oder, im schlimmsten Fall, „bewältigt" - was immer das auch heißen mag. Und solche Missverständnisse unterlaufen immer wieder, obwohl wir eigentlich spätestens seit der Romantik wissen müssten, dass Aufklärung stets zu scheitern droht.

    Der Maler und Zeichner Robert Schneider begeht solche Fehler nicht, wenn er sich vergangenem Geschehen anzunähern versucht, denn er geht mit Bedacht einen Weg der Bescheidenheit (und dieses Wort meint ursprünglich nichts Anderes als Klugheit). Mit Blick auf seinen Verdun-Zyklus bedeutet dies, dass er - im Wortsinn - vorsichtig und mit äußerster Behutsamkeit vorgegangen ist. Das begann schon mit der Wahl des Mediums, Kohle auf Karton, für das es, bei genauer Betrachtung, keine Alternative gab. Die Farbe ist Programm, das Materialverweist wie kaum ein zweites auf die Vergänglichkeit, die Verletzlichkeit, die Endlichkeit des Lebens: Asche zu Asche.

    Die Wahl der Sujets, die Robert Schneider getroffen hat, erfolgte im Wissen, dass historisches Geschehen letztlich uneinholbar ist. Das gilt ganz allgemein und trifft auf die Jahrhundertkatastrophe, die die Schlacht von Verdun darstellt, in besonderer Weise zu. Doch gerade im bewussten Verzicht auf den Versuch einer realistischen Vergegenwärtigung der geschichtlichen Ereignisse verleiht Schneider seinem Anliegen mit künstlerischer Meisterschaft größtmögliche Dringlichkeit: Das massenhafte Morden und Sterben vor Verdun ist nicht darstellbar. Daher beschränkt sich der Künstler auf die genaueste Wiedergabe von Relikten, Torsi, verheerten Landschaften. Und siehe da, das Verblüffende geschieht: Gerade aus der bewussten Distanz heraus, dank des Verzichts auf jeglichen Naturalismus gelingt es Robert Schneider, unsere Vorstellungskraft, unsere Phantasie in Gang zu setzen und das Unvorstellbare dann doch in die Nähe des Vorstellbaren zu rücken.

    Robert Schneider hat mit seinem Verdun-Zyklus nicht nur große Kunst geschaffen, sondern ein Denkmal errichtet. Mehr, scheint mir, ist mit den Mitteln der Kunst nicht möglich.

    Unterstützt wird die Ausstellung von: Art-regio SparkassenVersicherung, Badische Staatsbrauerei Rothaus AG, MBM Druck Team GmbH St. Blasien, Energiedienst Holding AG, Rechtsanwalt Reinhard Berkau, Bornhauser und Schmid GmbH, Badische Zeitung, SÜDKURIER, Erhard Leydorf (Mannheim)und vom Freundes- und Förderkreis Schloss Bonndorf.

     

    17. Juli – 6. November 2016: Nicolas Poignon - Die verlorene Welt. Zeichnungen und Malerei

    Der Titel der Ausstellung verweist, mit einem Augenzwinkern, auf Marcel Proust und seinen epochalen Roman. Nicolas Poignon lebt und arbeitet in der Metropole Berlin. Die Naturstücke und Landschaften, die er zeichnet und malt, sind für ihn daher im Grunde „verloren", sie gehören dem Sediment seiner eigenen Lebensgeschichte an, und er reproduziert sie aus dem Gedächtnis, reist malend und zeichnend in die verlorene Zeit, in seine Erinnerungen. Ihn interessiert die Welt, die niemand mehr beachtet, eine Alltagswelt vor allem, die Tag für Tag in ihrer diskreten Schönheit zu beobachten wäre, aber in aller Regel der Beachtung nicht für wert befunden wird. Auf diese Welt richtet Nicolas Poignon ebenso den Fokus wie auf eine Traumwelt. Seine Kompositionen sind immer wieder auch Seelenlandschaften.

    Bei Julien Gracq, einem Schriftsteller, dem Nicolas Poignon besonders nahe steht, kann man folgende Sätze lesen: „Im Umkreis solcher Kreuzungswege zwischen Poesie, Geografie und Geschichte liegt für mich ein Großteil der Themen, die diesen Namen verdienen. Solche Themen erwachen unter unseren Fingern nur in der Art der großen Orgeln: weil bei ihnen verschiedene Manuale übereinander liegen."

    Nicolas Poignon wurde 1963 in Nancy (F) geboren. Von 1982 - 1984 studierte er Grafik an der Ecole Supérieure des Arts Graphiques in Paris und von 1984 - 1989 schloss er ein Studium der Malerei an der Ecole National Supérieure des Arts visuels de la Cambre Brüssel an. Er erhielt u. a. den Kunstpreis Andriolli Drawing (Polen) und ein Stipendium der Pollock-Krasner Foundation New York (beide 2012), den Kunstpreis Print Triennial Ural (Russland, 2013), den Kunstpreis Art Museum Kochi (Japan), den Kunstpreis Hungarian Association Pilsen (Tschechische Republik), den Kunstpreis Mini Print Vancouver (Kanada, alle 2014) sowie den Ersten Preis St. Maur Museum Villa Médicis (Frankreich, 2015).

    Unterstützt wird die Ausstellung von: VITA Zahnfabrik, Volksbank Hochrhein, Maryan Beachwear Group, Dunkermotoren GmbH, MBM Druck Team GmbH St. Blasien, Fritz Stotmeister, Hectronic (Bonndorf), IGS Aerosols GmbH, SLG GmbH, Villiger Söhne GmbH, Badische Zeitung, SÜDKURIER und vom Freundes- und Förderkreis Schloss Bonndorf.