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    Neue Sonderausstellung im Kreismuseum St. Blasien: „Aus der Kunstsammlung“

    Museum St. Blasien

    Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 14.30 Uhr – 17.00 Uhr,
    Herbstpause jährlich vom 02.11. - 25.12.
    Eintrittspreise: Erwachsene 1,60 € / mit Kurkarte 1,30 € / Kinder 0,50 €.
    Kontakt: Museum St. Blasien, Haus des Gastes, 79837 St. Blasien, Tel: 07672/414-37, Fax: 07672/414-38

    Gegenüber den Medien stellten Landrat Dr. Martin Kistler und Kulturreferent Dr. Jürgen Glocker die neue Sonderausstellung im Kreismuseum St. Blasien vor. Die aktuelle Präsentation trägt den Titel „Aus der Kunstsammlung" und gewährt Einblick in das Werk wichtiger Künstler aus dem Landkreis Waldshut. Zugleich gibt sie auch einen Rückblick auf markante Ausstellungen im Kulturzentrum Schloss Bonndorf. Die Ausstellung wird bis zum Ende der diesjährigen Ausstellungssaison in St. Blasien zu sehen sein.

    Landrat Dr. Martin Kistler sagte, er freue sich sehr über die neue Präsentation in der Wechselgalerie des Museums. Sie demonstriere die hohe Qualität, die die Kunstsammlung des Kreises in den letzten Jahrzehnten erreicht habe: „Dies ist bereits die zweite Überblicksausstellung dieser Art, die wir in St. Blasien veranstalten, und das Niveau ist gleichbleibend hoch." Insbesondere gefalle ihm, so der Landrat weiter, das stimmige Miteinander von regional verankerter Kunst einerseits und überregionaler, nationaler bzw. internationaler Kunst andererseits. Die Sonderausstellung sei, bedingt durch die Raumverhältnisse, vergleichsweise klein, aber sie sei zugleich äußerst fein: „Hier ist große Kunst versammelt, und ein Besuch lohnt sich!"

    Kulturreferent Dr. Jürgen Glocker sagte, die Sonderausstellung zeige die Schwerpunkte der Sammlungstätigkeit der letzten Jahrzehnte. So seien etliche Künstler aus dem Südschwarzwald und insbesondere aus dem Landkreis Waldshut vertreten. Aber es gebe auch „Ausreißer", wie Franz Heckendorf, einem einstmals berühmten deutschen Expressionisten. Wichtige Werke der Ausstellung seien u. a. das Selbstporträt von Johannes Grützke, der leider vor kurzem verstorben sei, und die Haus-Skulptur des Thoma-Preisträgers Werner Pokorny.

    Die Ausstellung „Aus der Kunstsammlung" zeigt Werke von Stefan Bergmann, Ulrich C. Eipper, René Eisenegger, Ivano Facchinetti, Pavel Feinstein, Emanuel Gloor, Johannes Grützke, Franz Heckendorf, Paul Klahn, Kolibri, Wilhelm Morat, Anthony Piper, Nicolas Poignon, Werner Pokorny (Hans-Thoma-Preisträger 2013), Gianni Realini, Vera Rühle, Emil Wachter und Karl Waldenspuhl.

    Die Werke Heckendorfs bedürfen der besonderen Erläuterung. Franz Heckendorf wurde 1888 in Berlin geboren. Während der Weimarer Republik hat er als deren Maler gegolten und seine Bilder haben Eingang in die Sammlung prominenter demokratischer Politiker wie Matthias Erzberger und Walther Rathenau gefunden. Eines seiner Gemälde zur Verfassungsfeier von 1929 wurde vom Reichskanzler angekauft. Am 24. Februar 1943 wurde Heckendorf an der deutsch-schweizerischen Grenze verhaftet und ins Landgerichtsgefängnis Waldshut eingeliefert. Am 27. Mai 1943 wurde gegen ihn und drei weitere in „Schutzhaft" genommene ein Verfahren eröffnet. Sie wurden beschuldigt, Juden bei der Flucht in die Schweiz geholfen zu haben. Am 22. März 1944 wurden sie nach zweitägiger Verhandlung von einem Sondergericht in Freiburg zu mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Heckendorf, für den die Todesstrafe gefordert worden war, erhielt mit zehn Jahren die höchste Strafe. Es folgte ein Martyrium im Zuchthaus Ensisheim im Elsass mit Schwerstarbeit in den Kaliminen, im Zuchthaus von Ludwigsburg, im Arbeitshaus Kaltenstein, im Gefängnis Ulm, und, zum Schluss, im KZ Mauthausen, wo Heckendorf im Mai 1945 von den US-Truppen befreit wurde. Im Waldshuter Gefängnis schuf Heckendorf mehrere Zeichnungen, die das Kulturamt vor einigen Jahren ankaufen konnte. Mehrere Arbeiten aus dieser Serie sind in der St. Blasier Sonderausstellung zu sehen.