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    Die Psychologische Beratungsstelle im Überblick:

    Arbeitsprinzipien und Angebote

    1. Grundsätze der Beratungsarbeit

    1.1 Interaktion

    Unser primäres Ziel ist es, einzelfallbezogen die Entwicklungs- und Sozialisationsbedingungen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Die Entwicklung von Kindern ist untrennbar in komplexe familiäre und soziale Beziehungsgefüge eingebunden und auch Störungen der Entwicklung können nie isoliert für sich betrachtet und behandelt werden. Daher sind „Beziehungsprobleme" im weiteren Sinne (nicht nur zwischen Eltern, sondern auch zwischen Eltern und Kind, zwischen Kind und Lehrer, zwischen Lehrer und Eltern usw.) das zentrale Thema unserer Arbeit. Wir haben es immer mit komplexen Wechselwirkungen zu tun, mit Wirkungskreisen, in denen das Tun des einen und das Tun des anderen in einer gemeinsamen Geschichte und in einem sozialen und gesellschaftlichen Kontext einander wechselseitig bedingen und modifizieren. Bei familienbezogenen Problemen gibt es nie einfache, lineare Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, die durch ein Beseitigen von „Ursachen" einfach aufzulösen wären, sondern immer muss eine Vielzahl von Faktoren und Perspektiven berücksichtigt werden.

    Das mag befremdlich erscheinen, wenn doch „das Kind Probleme macht". Aber auch bei einem „schwierigen" Kind hängt sehr viel davon ab, auf was für ein Gegenüber (z.B. Mutter oder Lehrer) es trifft, d.h. davon, wie diese Beziehungspersonen konkret mit diesem Kind umgehen. Entsprechendes gilt auch bei einem „traumatisierten Kind" - auch da hängt wieder viel davon ab, wie Bezugspersonen reagieren. Ein Trauma allein - wenn es sich nicht wiederholt - bewirkt nicht automatisch eine dauerhafte psychische oder soziale Störung, sondern dazu bedarf es einer Verkettung ungünstiger Umstände und Ereignisse bzw. auch eines Mangels an ausgleichenden, „heilenden" Umständen und Beziehungserfahrungen.

     

    1.2 Selbstbestimmung der Ratsuchenden

    Wir gehen davon aus, dass die Bürger, die bei uns Rat suchen, für ihr Leben und ihre Familie selbst verantwortlich sind und es weder unser Recht, noch unsere Kompetenz ist, ihnen diese Verantwortung abzunehmen.

      

    1.3 Schweigepflicht und Datenschutz

    Da wir unsere Klienten als kompetente und eigenverantwortliche Verhandlungspartner ernst nehmen, ist der Vertrauens- und Datenschutz nach § 203 Strafgesetzbuch (SGB) und § 65 SGB VIII eine unverzichtbare Voraussetzung unserer Tätigkeit, denn nur im Rahmen einer glaubwürdigen Vertrauensbeziehung kann man es sich leisten, auch unangenehme, peinliche und Angst erregende Aspekte der eigenen Lebenswirklichkeit genauer zu betrachten. Ohne Absprache mit den Ratsuchenden und ohne ihr Einverständnis geben wir keine Informationen über die Beratung weiter.

     

     1.4 Eigenkompetenz der Ratsuchenden

    Nur die Ratsuchenden selbst haben das Wissen und die Kompetenz, ihr Leben zu gestalten und gegebenenfalls zu verändern. Wir sind als Berater keine „Besserwisser", die ihnen sagen können, wie sie es machen müssen. Wir können den Klienten nicht ihre Probleme abnehmen oder fertige Lösungen frei Haus liefern.

     

    1.5 Lösungs- und Ressourcenorientierung

    Erziehungsberater sind nicht Experten für Problembeseitigung, sondern Experten dafür, Ratsuchende dabei zu unterstützen, eigene, für sie und ihre Lebenssituation passende Lösungswege zu erarbeiten, Ressourcen und Selbsthilfepotentiale (wieder) zu entdecken und zu aktivieren. Erziehungsberatung (oder auch Therapie) ist in diesem Sinne keine Leistung, die Berater „erbringen" und Ratsuchende „bekommen" können, sondern eine Ko-Produktion, ein „miteinander beraten", das sich im wechselseitigen Austausch verschiedener Beiträge, im Verhandeln von Zielen und möglichen Wegen weiterentwickelt. Ohne Bereitschaft, mit zu überlegen, selber etwas zu verändern und konkrete Handlungsalternativen auszuprobieren, ist die Beratung zum Scheitern verurteilt.

     

    1.6 Familienorientierung

    Aus dem oben unter „Interaktion" beschriebenen Gründen muss Erziehungsberatung immer (mindestens) die Familie in der jeweils bestehenden Form als Ganzheit im Blick haben. Das bedeutet nicht, dass alle Familienmitglieder mit im Beratungszimmer sitzen müssen, aber eine isolierte „Therapie" die einfach das störende Kind „repariert", kann in der Regel nicht funktionieren. Erziehungsberatung kann auch mit ihren Mitteln weder Erziehung ersetzen, wo diese nicht (mehr) stattfindet, noch zusammengebrochene familiäre Beziehungen oder verloren gegangene Familienmitglieder.

     

    1.7 Niedrigschwelligkeit

    Hierzu gehören verschiedene Aspekte: unbürokratische Anmeldung, Kostenfreiheit der Inanspruchnahme, Bekanntheit der Beratungsstelle, gute Erreichbarkeit, kurze Wartezeiten, Außensprechstunden, aber auch der Spielraum für einen zunächst tastenden und probierenden, gegebenenfalls auch anonymen, Zugang zur Beratung. Manches davon (z.B. eine ausreichende „Präsenz", auch in den ländlichen Gemeinden) können wir aufgrund der gegebenen Personalsituation nur sehr notdürftig bereitstellen.

     

    1.8 Teamarbeit

    Die Teambesprechungen (wöchentlich regelmäßig zwei Stunden und nach Bedarf) dienen nicht nur der organisatorischen Abstimmung der Arbeit, sondern insbesondere auch dem konkreten, einzelfallbezogenen fachlichen Austausch, der dabei hilft, die verschiedenen Aspekte und Perspektiven der zu bearbeitenden Problemstellungen besser zu bewältigen. Teamarbeit bedeutet auch, dass im Sinne interner Kooperation nicht selten zwei Berater oder Beraterinnen mit einer Familie arbeiten (z.B. getrennt jeweils mit dem Kind/Jugendlichen und den Eltern oder, bei zerstrittenen Elternpaaren, mit den einzelnen Elternteilen).

     

    1.9 Kooperation und Vernetzung

    Die Beratungsstelle arbeitet fachlich unabhängig und, im konkreten Beratungsprozess, im Auftrag der Ratsuchenden. Da aber häufig auch noch das soziale Umfeld oder andere Fachpersonen/Institutionen in die familiäre Problematik verwickelt sind, ist uns die Zusammenarbeit - im Rahmen der datenschutzrechtlichen Bestimmungen - sehr wichtig (insbesondere mit dem Jugendamt, mit Kindergärten, Schulen, Ärzten und anderen Beratungsdiensten). Wir bemühen uns darum, die jeweils notwendige Erlaubnis für den fachlichen Austausch von den Ratsuchenden zu bekommen. Wo wir selbst keine geeigneten Angebote bereit stellen können, vermitteln wir die Klienten weiter zu fachlich besser passenden Institutionen. Unabhängig vom Einzelfall bringt die Beratungsstelle ihre spezifischen Kenntnisse und Kompetenzen in die Arbeit lokaler und regionaler psychosozialer Gremien und Arbeitskreise ein.

    Die Psychologische Beratung ist ein Teil des Landratsamtes, gehört zum Dezernat für Arbeit, Jugend und Soziales und steht als Ansprechpartner bei Bedarf auch den anderen Ämtern zur Verfügung. Der Leiter der Beratungsstelle nimmt regelmässig an den Amtsleiterbesprechungen des Dezernates und des Landratsamtes teil.

     

    1.10 Ökonomie der Mittel

    Angesichts der zu bewältigenden hohen Anmeldezahlen (gegenwärtig etwa 120 zu beratende Familien pro Planstelle und Jahr) kann die Erziehungsberatung nur relativ kurze Beratungs- und Therapieprozesse bereit stellen: im Durchschnitt fünf bis sieben Beratungsstunden pro Anmeldung. Es gibt allerdings keine grundsätzliche Zeitbeschränkung für die Dauer von Beratungen: Wer sich anmeldet, wird so lange beraten, wie das in gegenseitiger Absprache nötig erscheint.

     

    1.11 Flexibilität des Vorgehens

    Zu den wesentlichen Kennzeichen von Erziehungsberatung gehört auch die Möglichkeit, das vielseitige Spektrum von unterstützenden Angeboten sehr flexibel auf die jeweiligen Erfordernisse und Spielräume des Beratungsprozesses abzustimmen. Diagnostik, Beratung, Therapie und Kooperation mit anderen Institutionen gehen dabei ineinander über und ergänzen einander.

     

    2 Angebote der Beratungsstelle

    Die konkreten Tätigkeiten der Beratungsstelle sollen hier unter drei verschiedenen, sich überschneidenden Perspektiven dargestellt werden.

     

    2.1 Erziehungsberatung

    Eltern sind nicht selten verunsichert und machen sich Sorgen, weil es Auffälligkeiten in der Entwicklung der Kinder oder schwierige Situationen in der Erziehung, im Kindergarten, in der Schule gibt, die dann oft obendrein das Familienleben belasten. Hier kann die Beratungsstelle psychologische, heilpädagogische und therapeutische Hilfen anbieten, um die Probleme besser zu verstehen und gemeinsam Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

    2.2 Beratung im Jugendalter

    Das Jugendalter ist häufig ein besonders schwieriger Lebensabschnitt, in dem es vor allem um Probleme der Ablösung vom Elternhaus, bei der Entwicklung eigener Lebensperspektiven, in der Schul- und Berufsausbildung und vielleicht auch in ersten eigenen Partnerschaften geht. Das Angebot psychologischer Beratung richtet sich an die jungen Leute selbst oder auch an die Eltern von Jugendlichen und kann helfen, Konflikte zu entspannen und Wege zu einem weniger schwierigen Umgang miteinander zu suchen.

    2.3 Beratung im Zusammenhang mit Trennung und Scheidung    

    Wenn es in der Ehe oder Partnerschaft anhaltende Probleme gibt oder es zu Trennung und Scheidung kommt, so ist es für alle Familienmitglieder meist eine große Belastung und kann zusätzlich Erziehungsprobleme hervorrufen oder verstärken. In einer psychologischen Beratung können Wege aus der Krise gemeinsam gesucht werden, oder aber, falls es zur Trennung kommt, doch noch einvernehmliche Absprachen für den Umgang mit den Kindern, die die Belastungen für diese nach Möglichkeit eindämmen. Wir beraten und unterstützen auch die Kinder und Jugendlichen, wenn es Schwierigkeiten mit dem Besuchsrecht gibt.