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    Was wir hier eigentlich tun

    Es sind ja immer die kleinen Geschichten, die den Zauber ausmachen. Die Begegnungen mit den Menschen der Region. Die zufällig entdeckten Details in der Landschaft oder in den Orten des Landkreises, die uns amüsant, wunderschön, ungewöhnlich oder auch ein bisschen merkwürdig erscheinen. Kurz: Wir sind hier, um aus norddeutscher Perspektive den Reiz des Südens zu beleuchten. Oder eine Nummer kleiner: Wir wollen wissen: Was hat der Landkreis Waldshut zu bieten, wie nimmt er uns auf, einen schreibenden Rheinländer, eine fotografierende Niedersächsin und eine freundliche ungarisch-stämmige Jagdhündin – inzwischen allesamt gemeinsam in der Nähe von Hamburg zuhause.

    Ende Gelände

    Siebter und unser letzter Tag im Landkreis Waldshut – und so langsam geht uns auch die Puste aus. So viel gesehen, so freundliche und interessante Menschen getroffen, so viele Bilder zu verarbeiten. Das geht natürlich am besten bei einem langen Spaziergang. Der führt uns ins Steinatal, wo wir uns die Ruinen der Roggenbacher Schlösser ansehen und wandern wollen. Punkt zwei der Tagesordnung klappt, zwei Stunden stromern wir durch die wunderbar duftenden Wälder – was das mit mir machte, wird unter „Der perfekte Moment“ noch einmal detaillierter beschrieben. Leider werden die Roggenbacher Schlossruinen gerade restauriert und sind von Gerüsten eingedeckt – nächstes Mal. Auf der Wanderung ließen wir die Erlebnisse der letzten Tage noch einmal Revue passieren und riefen uns die Bilder vor Augen, die uns vermutlich noch lange begleiten werden: Der „Kraftort“ Segeten mit seinen originellen Bewohnern. Der bezaubernde Ort Menzenschwand mit Schwarzwaldhäusern wie gemalt. Der Fährmann Hans Zürcher, wie er uns lässig von Nack nach Ellikon und zurück bringt und uns dabei seine Geschichte erzählt. Nur ein kleiner Ausschnitt aus einer übervollen Woche. Gelernt habe ich auch eine Menge: Unter anderem, was ein „Schübling“ ist (eine geräucherte Wurst) und dass man im Holzgeschenkeladen in Bernau auch eine „Blödel-Angel“ kaufen kann (Beweisfoto anbei …).

     

    Vom Steinatal aus fahren wir noch kurz nach Grafenhausen, um uns die „Tannenzäpfle“-Brauerei anzusehen, doch wir spüren schon: Die Woche steckt uns in den Knochen. Es ist noch viel zu sehen im Landkreis Waldshut, einige Fragen bleiben zwangsläufig offen. Aber das vertagen wir. Im Herbst kommen wir wieder zurück und werden all die Orte besuchen, die wir nicht geschafft haben. Für diesmal muss es reichen.

     

    Unseren letzten Abend verbringen wir noch einmal an einem besonderen Platz: Die „Fischerhütte“ in Tiefenstein bringt Forelle auf den Tisch, wie man sie sich vorstellt. Für ambitionierte Fischfreunde besteht die Möglichkeit, sich die Forelle direkt aus dem Weiher zu angeln, doch die meisten der Menschen, die mit uns im Biergarten bei herrlichem Wetter dem Mundschutz und der Überdachung trotzen, wollen einfach nur da sitzen, den Fisch mit Pommes oder Kartoffelsalat genießen und den Herrgott einen guten Mann sein lassen. Ein wunderschöner Abschluss einer ebenso wunderbaren Woche. Lieber Landkreis Waldshut, es war schön mit dir. Oder wie das Waldshuter Männle dichten würde: „Das meiste war schön, das Essen war gut, kein Wunder, es war ja auch in Waldshut.“ (Oh Gott … ich hab´s versucht)


    Der Test des Tages

    Hat die Schwarzwälderkirschtorte ihren guten Ruf verdient?

    Endlich, endlich, endlich: Eine Schwarzwälder-Kirschtorte im Café Bockstaller. Wir fuhren extra einen Umweg, um nach zwei Fehlversuchen nun doch noch in den Genuss der angeblich besten Schwarzwälderkirschtorte der gesamten Region zu kommen. Die Hausherrin selbst präsentierte uns das Kalorien-Powerpack mit siegesgewissem Lächeln: Über 1000 dieser Torten werden alljährlich in der hauseigenen Konditorei angefertigt. 1000 Torten? Wer isst die denn alle? Nicht allein die Gäste der beiden Bockstaller-Cafés in Todtmoos und Wehr jedenfalls – man liefert auch an viele Betriebe der gesamten Region. Das schürt natürlich Erwartungen: Und ja: Das ist eine Torte, die ihrem Ruf gerecht wird: Eine Süßspeise, die den Absacker gleich mitliefert – so spirituell aufgeladen schmeckte der grandiose Kuchen auf jeden Fall. Laune nun: Bestens!


    Das Foto des Tages

    Was: Der Bulli-Bunch

    Warum: Weil der gute alte VW Bulli, auch als T1 bekannt, einfach den meisten Menschen ein fröhliches Lachen entlockt. Wenn dann noch drei Freunde wie Marcel, Heiko und Florian mit so einer Kiste unterwegs sind – Baujahr 1966 und 1963; die Autos, nicht die Jungs – und man sie vor der Rothaus-Brauerei in Grafenhausen antrifft, wo man sich mal mit moderner Brauereitechnik vertraut machen wollte … ja dann wird die Sache richtig rund.


    Der perfekte Moment

    Mein Großvater lebte in der Eifel und führte ein kleines Sägewerk. Ich erinnere mich an Samstagnachmittage zwischen Taubenstall und einer riesigen Säge, in deren Nähe ich nie kommen durfte. Stattdessen schickte man mich auf einen Berg voller Sägemehl, auf dem ich mich irgendwie beschäftigen sollte. Nun – das Sägemehl steckte noch Tage später in meinen Kleidern und allen Poren, doch eines habe ich geliebt – den Duft des frisch geschnittenen Holzes, der in der Sägehalle immer in der Luft lag.
    Genau solch ein Duft umwehte meine Nase, als ich heute mit Hund und Frau durch die Wälder des Steinatals wanderte, ich konnte meine Nase gar nicht nah genug an die frisch geschälten Baumstämme auf unseren Wegen halten. Kostbare Erinnerungen an die Kindheit – und das in solch einer idyllischen Umgebung. Perfekt!


    Wie wars für Klärchen

    Letzter Tag in den Waldshuter Ferien: Wandertag auch für den Hund. Das ständige „rein in den Wagen, raus aus dem Wagen“ hatte den ansonsten so beständig verdösten Tagesablauf von Klärchen schon arg durcheinander gewürfelt, die Seufzer häuften sich in den letzten Tagen zunehmend. Heute aber spazierten wir mit ihr gemessenen Schrittes einmal um die Ruinen der Roggenbacher Schlösser auf schönen Wanderwegen, der Höhepunkt: Eine kleine Kneipp-Tour im nahegelegenen Bachlauf. Der Hund ist sonst nicht gerade ein Wasserfreund, doch heute ließ er sich nicht lange bitten. Fazit für die Fellnase nach sieben Tagen im Schwarzwald und am Hochrhein: Es sind noch viele Wege zu gehen. Sie wäre dabei, wenn mehr gewandert und weniger mit dem Auto gefahren würde.