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    Großer Wiesenknopf - Blume des Jahres 2021

    Die Blume des Jahres 2021 – der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) – wurde von der Loki-Schmid Stiftung gekürt. Die Stiftung möchte mit dieser Wahl auf die Problematik der immer intensiver genutzten Grünlandflächen und den Verlust der kulturhistorischen Nutzungsweise des Grünlandes aufmerksam machen.

    Abb. 1: Großer Wiesenknopf mit dunkelroten Blütenständen in einem Feuchtgebiet bei Herrischried. Die weißen „Tupfer“ dahinter sind die Fruchtstände des Schmalblättrigen Wollgrases (Eriophorum angustifolium). Durch die extensive Bewirtschaftung wird ein artenreiches Biotopmosaik erhalten.                                                                  Foto ©: Alexander Frisch

    Mit einer Wuchshöhe von bis zu 120 cm macht der Große Wiesenknopf seinem Namen alle Ehre. An seinen schmalen, gezähnten und unpaarig gefiederten Blättern kann man deutlich die Verwandtschaft zu den Rosengewächsen erkennen. Die dunkelroten kopfigen Blütenstände bestehen aus 20 - 40 Einzelblüten und blühen von Mitte Juni bis Mitte September. Die Blüten werden von Insekten bestäubt. Im Herbst bilden sich aus den Blüten hell- bis dunkelbraune Nüsse.

    Früher fand der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) in der Volksheilkunde Verwendung. Dies kann man auch am botanischen Namen des Großen Wiesenknopfs ablesen. Der Artname „officinalis“ deutet auf seinen arzneilichen Gebrauch hin. Der Gattungsname „Sanguisorba“ kann vom Lateinischen abgeleitet werden („sanguis“ für „Blut“ und „sorbere“ für „zu sich nehmen“) und weist auf eine blutstillende Wirkung hin.

    Der Große Wiesenknopf ist eine eurasisch verbreitete Pflanzenart, welche in fast ganz Baden-Württemberg vorkommt. Im Landkreis Waldshut findet man ihn bis in Höhenlagen von 1400 m. Typischer Lebensraum des Großen Wiesenknopfs sind bei uns wechselfeuchte Nass- und Moorwiesen sowie feuchte Magerwiesen.

    Durch die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft ist sich der Bestand des Großen Wiesenknopfs bundesweit rückläufig. Besonders macht ihm die frühe Mahd der Wiesen zu schaffen, da so keine Früchte ausgebildet werden können. Aufgrund der rückläufigen Bestandsentwicklung ist der Große Wiesenknopf als Art der Vorwarnliste eingestuft (Rote Liste V).

    Zu den Bestäubern des Großen Wiesenknopfs zählen der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous; siehe Abb. 2) und der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris teleius). Diese Wiesenknopf-Ameisenbläulinge sind extrem eng an den Großen Wiesenknopf gebunden und brauchen ihn

    • als Platz für die Eiablage (nur an Blüten vor dem Blühbeginn),
    • als Nahrungsquelle für frühe Larvenstadien,
    • als Nektarpflanze für die Falter (nebst wenigen weiteren Blumenarten),
    • als Platz für die Balz und die Paarung und auch
    • als Schlafplatz.

    Ohne den Großen Wiesenknopf würde es beide Schmetterlingsarten schlichtweg nicht geben! Der Lebenslauf der Wiesenknopf-Ameisenbläulinge ist aber noch komplizierter: Ältere Raupen lassen sich zu Boden fallen, wo sie von Ameisen gefunden und in ihren Bau getragen werden. Dort wartet das Hotel „Ameise“ auf sie. Durch ihren Geruch tarnen sich die Raupen. Sie lassen sich von den Ameisen versorgen. Und gleichzeitig fressen sie die Eier und Larven der Ameisen. Die Verpuppung erfolgt ebenfalls im Ameisennest. Nach dem Schlüpfen im Frühjahr verlieren die Schmetterlinge ihren tarnenden Geruch und müssen schnell die Flucht aus dem Ameisennest ergreifen.

    Abb. 2: Blüte des Große Wiesenknopfs mit dem im Landkreis Waldshut sehr seltenen Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist in der Roten Liste Baden-Württemberg (Stand 2004) als gefährdete Art aufgeführt. Die hier sichtbare Flügelunterseite ist graubraun und mit schwarzen, hell gerandeten Punkten versehen.
                                                                                       Foto ©: Alexander Frisch

    Durch ihre sehr starke Bindung an den Großen Wiesenknopf plus an besondere Ameisenarten einerseits und die starken Veränderungen in der Landschaft andererseits sind die beiden Wiesenknopf-Ameisenbläulinge inzwischen leider erheblich bedroht und seit 1994 EU-weit geschützt.

     
    Text: Eva Molter und Alexander Frisch

    Quellen:

    EBERT, G. (Hrsg.) (1993): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs: Bd. 2. Tagfalter II. - 535 S., Stuttgart (Ulmer).

    OBERDORFER, E. (2001) Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. - 8. Aufl., 1051 S., Stuttgart (Ulmer).

    SEBALD, O., SEYBOLD, S. & PHILIPPI, G. (Hrsg.) (1992): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. - Bd. 3, 483 S., Stuttgart (Ulmer).

    https://loki-schmidt-stiftung.de/die-stiftung/news/blume-des-jahres-2021.html#:~:text=Loki%2DSchmidt%2DStiftung%20%7C%20Blume,Der% 20Gro%C3%9Fe%20Wiesenknopf%20(Sanguisorba%20officinalis), abgefragt 29.01.2021

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Wiesenknopf, abgefragt 29.01.2021

    https://de.wikipedia.org/wiki/Heller_Wiesenknopf-Ameisenbl%C3%A4uling, abgefragt 02.02.2021

    https://de.wikipedia.org/wiki/Wiesen_bei_Waldshut, abgefragt 29.01.2021

    http://heilpflanzenwissen.at/pflanzen/grosser-wiesenknopf/, abgefragt 29.01.2021

    https://www.rote-liste-zentrum.de/de/Artensuchmaschine.html?q=Sanguisorba+officinalis, abgefragt 02.02.2021