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    Milchweiß und schwarz

    Diese beiden Farben kennzeichnen den Schmetterling des Jahres 2019: Das Schachbrett. Und beide Farben finden sich auch im wissenschaftlichen Namen - Melanargia galathea - dieses auch im Landkreis Waldshut heimischen Tagfalters wieder. Melano = schwarz, Galatea (auch Galathea) = die Milchweiße, eine Nymphe der griechischen Mythologie*. Mit beiden Farben zaubert das Schachbrett ein einzigartiges Muster auf seine Flügel und macht die Art in unserer Landschaft unverwechselbar. 

    Das Schachbrett ist hier noch häufiger zu sehen und recht weit  verbreitet. Von Lottstetten bis Herrischried und von Wehr bis Wutach lässt sich der erwachsene Schmetterling zur Flugzeit von Juni bis August beobachten. Typische Lebensräume, in denen Sie den schmucken Tagfalter bei uns antreffen können, sind ungedüngte oder wenig gedüngte Magerrasen und Magerwiesen und mageres Feuchtgrünland oder auch jüngere Brachen dieser schützenswerten Biotope.  In den höheren Lagen ab 800 m ü. NHN wird die Art allerdings immer seltener, so dass mir eigene Beobachtungen z. B. aus Bernau, St. Blasien und Todtmoos bisher fehlen. Vielleicht gelingt es Ihnen ja, die Art dort zu entdecken. Günstig für Beobachtungen ist trockenes, warmes Wetter in der Zeit von 11 – 16 Uhr. Und wo das Schachbrett vorkommt, finden sich oft auch weitere, selten gewordene Tagfalterarten ein.

    Zur Eiablage wählt das Schachbrett-Weibchen solche Flächen aus, die noch ungemäht sind. Von Grasstängeln aus lässt es dort je ein bis zwei Eier fallen. Über das Leben der Schachbrett-Raupen ist nicht richtig viel bekannt. Sie sind Grasfresser und ganz überwiegend nachtaktiv. Kurz vor der Umwandlung zum Vollinsekt nach einem Jahr folgt eine vermutlich zwei- bis dreiwöchige Puppenruhe.

    Wer etwas für die Art im eigenen Garten oder in der freien Landschaft tun möchte, kann mageres, spät gemähtes Grünland anlegen bzw. erhalten. Für die Falter sind bei uns die Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), die Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa) und die Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) als Nektarpflanzen von großer Bedeutung.  Eine Mahd der Lebensräume darf daher auch nicht zu spät erfolgen, da die Bestände sonst vergrasen und verfilzen und das Blütenangebot zurückgeht oder ganz verschwindet. Ein Kompromiss für sehr magere Wiesen in Lagen zwischen 500 und 850 m ü. NHN wäre ein Mahdtermin Ende Juli – 1. August. Für Flächen in der freien Landschaft kann sich fallweise auch der Abschluss eines Landschaftspflegevertrags  bei der unteren Naturschutzbehörde anbieten, die hier mit dem Landschaftserhaltungsverband (LEV) Hand in Hand arbeitet. Ihnen und dem Schachbrett wünsche ich gutes Gelingen!

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    * Von hier ergeben sich auch sprachlich-mythologische Bezüge zur Galaxis, der Milchstraße. Mit dem Schachbrett schwebt dann gleichsam ein Stück sternenheller Nachthimmel über die sonnendurchfluteten Wiesen.

     

    Fotos: Waldshut-Tiengen, Juni 2018.
    © Alexander Frisch