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    EINSCHRÄNKUNG FÜR DAS ENTNEHMEN VON WASSER AUS OBERFLÄCHENGEWÄSSERN

    HINWEIS: Verbot aller Entnahmen im Rahmen des Gemeingebrauchs nach §20 Abs. 1 WG zum 04.08.2022

    Der Gebrauch von oberirdischen Gewässern zum Baden, Schöpfen mit Handgefäßen, Tränken, Schwemmen und ähnlichen unschädlichen Verrichtungen ist grundsätzlich als sogenannter Gemeingebrauch jedermann ohne wasserrechtliche Zulassung gestattet. Dasselbe gilt für das Entnehmen von Wasser in geringen Mengen für die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft und den Gartenbau (§ 20 Abs. 1 des Wassergesetzes Baden-Württemberg – WG).
    Das Entnehmen mit einer Pumpe (unabhängig davon, wie diese betrieben wird) fällt nicht mehr unter den Gemeingebrauch. Ausgenommen von dieser Regelung sind die in § 20 Abs. 1 WG genannten geringen Entnahmemengen für die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft und den Gartenbau. Für alle anderen Entnahmen mittels Pumpe ist eine wasserrechtliche Erlaubnis des Landratsamtes Waldshut erforderlich.

    Die letzten zwei Jahrzehnte zeigen eindrücklich, dass sich klimatisch veränderte Bedingungen eingestellt haben - auch bei uns im Kreis Waldshut: Das Winterhalbjahr wird tendenziell milder und nasser, die Sommer werden heißer und trockener. Im Wasserhaushalt sind diese Veränderungen bereits deutlich sicht- und messbar: Abgesehen von 2013 sind seit 2003 Jahre, in denen die gefallenen Niederschläge nennenswert zur Grundwasserneubildung und damit zur Erholung der Grundwasserverhältnisse beitragen konnten, ausgeblieben. Dies wirkt sich insbesondere auf oberflächennahe Grundwasservorkommen (Quellen) aus, aber auch auf die tieferen Grundwasserleiter. Infolge der zunehmend trockeneren und heißeren Sommer, fließt auch in vielen, gerade kleineren oberirdischen Gewässern zum Teil über viele Wochen und Monate nur sehr wenig Wasser (Niedrigwasser). Das Wasser erwärmt sich stärker und in der Folge sinkt der Sauerstoffgehalt. Bei geringer Wasserführung reduziert sich die Fließgeschwindigkeit und bewirkt in Verbindung mit hohen Wassertemperaturen, dass auch das natürliche Selbstreinigungsvermögen der Gewässer abnimmt. Die Gewässerökologie kann hierdurch erheblich und langfristig geschädigt werden. Liegen die Abflüsse und Wasserstände über längere Zeit auf einem sehr niedrigen Niveau, kann das Gewässer als Lebensraum für Pflanzen und Tiere im Gesamten geschädigt werden und im Extremfall verloren gehen.
    Bereits ab Temperaturen von 20 °C können auf kaltes und sauerstoffreiches Wasser angewiesene Organismen (z.B. Bachforellen, heimische Krebsarten) beeinträchtigt sein und z.B. für Krankheiten anfälliger werden. Bestimmte heimische Fischarten sind bei Wassertemperaturen von über 25° C akut bedroht. Wenn ein Gewässer ganz trocken fällt, können die Folgen für das Gewässer verheerend sein und zu einer langfristigen Schädigung des gesamten Lebensraumes führen.
    Da Grundwasser und Oberflächengewässer in enger Wechselbeziehung miteinander stehen, muss beides im Zusammenhang des gesamten Wasserhaushalts betrachtet werden.

    Vor diesem Hintergrund hält es das Landratsamt für erforderlich, die im Rahmen des wasserrechtlichen Gemeingebrauchs erlaubnisfrei möglichen Wasserentnahmen einzuschränken, um die Lebensbedingungen in den Gewässern durch künstliche Entnahmen nicht noch weiter zu verschlechtern. Die Maßnahme dient auch dem Schutz des Wasserhaushalts als Ganzes.

    Mit der Rechtsverordnung vom 11.07.2022 wird das Entnehmen von Wasser aus sämtlichen oberirdischen Gewässern in allen kreisangehörigen Gemeinden untersagt, wenn es sich um Entnahmen mittels Pumpvorrichtungen handelt und die genannten Wasserstände an den 3 ausgewählten Referenzpegeln an der Alb in St. Blasien, der Wutach und dem Kotbach (beide in Lauchringen) für die jeweils zugeordneten Gemeinden erreicht bzw. unterschritten werden.
    HINWEIS: Verbot aller Entnahmen im Rahmen des Gemeingebrauchs nach §20 Abs. 1 WG zum 04.08.2022 (Änderung der Rechtsverordnung)

    Die Zuordnung der Gemeinden des Landkreises zu den jeweiligen Referenzpegeln wurde anhand hydrologischer Kriterien bzw. ihrer Lage im Einzugsgebiet der jeweiligen Pegel vorgenommen. Die Rechtsverordnung wurde folglich Pegel-, Wasserstands- und Wasserkörperbezogen erlassen, um den hydrologischen Besonderheiten der Landkreisregionen Rechnung zu tragen.

    Die festgelegten Wasserstände, ab denen das Entnehmen von Wasser aus Oberflächengewässern untersagt ist, sollen einen Ausgleich sowohl zwischen berechtigten Nutzungsinteressen als auch der Gewährleistung der Funktionsfähigkeit unserer Gewässer als Lebensraum sowie des Wasserhaushalts insgesamt schaffen.

    Auch generell sollte jeder – insbesondere bei kleinen Gewässern -  überlegen, ob eine Entnahme (auch Schöpfen mit Handgefäßen) hieraus wirklich notwendig ist. Angesichts des Klimawandels und der damit verbundenen Auswirkungen auf den Wasserhaushalt wäre es sinnvoll, den eigenen Bedarf vorrangig aus zuvor z.B. in Zisternen und/oder Regentonnen gesammeltem Niederschlagswasser zum Gießen des Gartens in den trockenen Sommermonaten zu nutzen.
    Gerade in Phasen geringer Wasserführung sind Gewässer für Beeinträchtigungen besonders sensibel, so dass sich letztlich jede einzelne „kleine“ Entnahme in der Summe sehr nachteilig auf die Gewässerökologie auswirken und diese auch langfristig schädigen kann.

    Pegelabfrage

    Die Pegel können auf der Seite hvz.baden-wuerttemberg.de abgerufen werden: 

    St. Blasien / Hauensteiner Alt

    Oberlauchringen / Wutach

    Oberlauchringen / Kotbach 

    Außerdem können die Pegel über die App „Meine Pegel“  oder über die automatische Telefonansage abgefragt werden. Bei Letzterer können wahlweise die Daten für einen oder mehrere Pegel oder alle Pegel eines Flussgebietes abgerufen werden. Die Auswahl erfolgt in einem Dialog. Sie erhalten über die Telefonansage auch den Lagebericht. Tel. 0721 / 9804-61 (und weitere Anschlüsse bis zur Endnummer -65).