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    Der Wald im Landkreis Waldshut

    Mit 56.000 ha Fläche bedeckt der Wald beinahe die Hälfte unseres Landkreises und macht Waldshut zu einem der waldreichsten Landkreise in Baden-Württemberg. Flussauenwälder am Hochrhein, Buchenwaldgesellschaften der Vorbergzone und Fichten- und Tannenwälder in den Höhenlagen des Schwarzwaldes bieten abwechslungsreiche Waldbilder. Es sind schöne und auch ertragreiche Wälder, die den nachwachsenden Rohstoff Holz liefern. Der Wald ist also auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und sichert gerade im Ländlichen Raum Arbeitsplätze. Darüber hinaus leisten unsere Wälder aber noch weit mehr: Sie sind Wasserfilter und Grundwasserspeicher, schützen das Klima und den Boden, bieten Lebensraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten und ziehen Tag für Tag unzählige Erholungssuchende und Touristen in ihren Bann.

     

     

    Will man das heutige Erscheinungsbild unserer Wälder verstehen, muss man einen Blick in die Vergangenheit wagen. Der Wald war bis zu der im 19. Jhd. einsetzenden Industrialisierung in erster Linie Rohstofflieferant, und lieferte neben Holz u.a. noch Gerbrinde, Harz und Viehfutter und Streu. Aufgrund der vielfältigen Nutzung der Walderzeugnisse spricht man auch vom Hölzernen Zeitalter. Ein wesentlicher Teil des damals genutzten Holzes wurde dringend als Heizmaterial gebraucht. Glas- und Eisenhütten waren regelrechte Waldvernichter deren Öfen mit Unmengen Holz am Laufen gehalten werden mussten. Der Druck auf den Wald nahm erst mit der Erfindung der Dampfmaschine und der daraufhin einsetzenden industriellen Förderung von Braun- und Steinkohle deutlich ab. Der enorme Holzbedarf und die Streunutzung hatte bis zu diesem Zeitpunkt allerdings deutliche Spuren hinterlassen. Landesweit waren große Waldflächen devastiert, oder gänzlich verschwunden. In der Folge setzte eine Aufforstungswelle ein. 

    Immer noch geprägt durch die Umstände des Hölzerne Zeitalter, legten unsere Vorfahren v.a. Wert auf den Anbau von schnellwüchsigem Baumarten wie z.B. der Fichte. Der Wald blieb trotz der einsetzenden Industrialisierung also weiterhin in erster Linie Rohstofflieferant. Der Naturschutz und der für den Landkreis Waldshut wichtige Tourismus spielten damals, wenn überhaupt, nur eine bescheidene Nebenrolle.

    Heute ist der Wald mehr als eine Holzfabrik. Die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion sind in Baden-Württemberg gleichwertige Bewirtschaftungsziele die sich in der Art der Waldbewirtschaftung niederschlagen. Seit den 1990er Jahren bildet das Konzept der "Naturnahe Waldwirtschaft" die Leitlinie für die Bewirtschaftung des Staatswaldes ab und wurde seitdem u.a durch das "Alt- und Totholzkonzept" und die "Gesamtkonzeption Waldnaturschutz" erweitert.

     

     

     

    Die Ergebnisse der bisher durchgeführten Bundeswaldinventuren zeigen anschaulich, die Wälder im Landkreis Waldshut sind weit von einer Übernutzung entfernt. Seit Jahrzehnten wird deutlich weniger Holz eingeschlagen als nachwächst. Im Moment kann der stehende Holzvorrat im Landkreis mit über 23 Mio. Festmeter beziffert werden. Mit diesem Verzicht geht einher, dass unsere Wälder deutlich älter werden dürfen als noch vor wenigen Jahrzehnten.  Aber nicht nur der Vorrat an stehendem Holz hat zugenommen. Gerade Totholz, das für einen großen Teil der heimischen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten wichtige Habitatrequisite oder Nahrungsquelle ist, hat deutlich zugelegt. Das Prinzip der naturnahen Waldwirtschaft zeigt auch hier unverkennbare Wirkung, sodass mittlerweile von einem durchschnittlichen Totholzvorrat von gut über 30 Festmeter je Hektar auszugehen ist. Damit ist ein wichtiger Schwellenwert überschritten, ab dem eine Vielzahl totholzbewohnendet Lebewesen erst aktiv werden kann. Ermöglicht hat diese Entwicklung ein gewollter Nutzungsverzicht seitens der Waldbesitzer, der die Wälder im Landkreis Waldshut ein ganzes Stück wilder macht als sie es vor wenigen Jahren noch waren.

      
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